Im letzten Beitrag ging es um den Erfolg des EU-Bio-Siegels und die Entwicklungen im fairen Handel. Der europäische Verbraucher oder die europäische Verbraucherin steht bei »fairen« Produkten zusätzlich zu der Vernachlässigung des Themas durch die europäischen »konstitutionellen« Institutionen vor der Herausforderung, dass Kaffee beispielsweise ein viel gehandeltes Fairtrade-Produkt ist, bei nachhaltiger Kleidung beispielsweise das Bild wieder unübersichtlich und in Teilen entmutigend wird.
Die Kampagnenorganisation Clean Clothes Campaign konzentriert sich auf die europäischen Märkte, Siegel für nachhaltige Kleidung/Stoffe sind zum Beispiel OE (Organic Exchange) 100 Standard, GOTS (Global Organic Textile Standard) oder bluesign (http://suscitare.wordpress.com/nachhaltigkeit/nachhaltige-mode/).
Was tun in Geschäftsfeldern, denen zu Recht der Ruf anhaftet, besonders sozial verheerend und nicht nachhaltig zu sein (Funktions- und Sportbekleidung)? Derzeit gibt es hier nur die Suche nach den Nischenprodukten, so produziert die Firma Lunge Laufschuhe komplett in Deutschland. Die Schuhe können im Gegensatz zu den Marktführer-Modellen der großen Sportartikelhersteller neu besohlt werden, sicherlich auch ein Nachhaltigkeitsaspekt. In Foren im Netz findet sich einerseits durchaus das Bekenntnis, für solche Produkte, die »in D oder im europäischen Wirtschaftsraum« gefertigt werden, mehr auszugeben. Hohe Preise sind in dieser Logik gerechtfertigt, wenn Adidas, Asics, Nike und Co. »Laufschuhe in Fernost zu lächerlichen Löhnen unter fragwürdigen Arbeitsbedingungen« herstellen lassen. Gerüchteweise sind andererseits die Löhne auch im Hause Lunge nicht gerade nachhaltig.
Stichwort Arbeitsbedingungen, in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union heißt es: »Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer hat das Recht auf gesunde, sichere und würdige Arbeitsbedingungen.« Vor der Europawahl im Mai 2014 – nur noch knapp fünf Monate, von Wahlkampf bisher keine Spur – wäre es ein gutes Vorhaben, ein EU-Sozialsiegel auf den Weg zu bringen, das eine Produktion des jeweiligen Produktes nach europäischen Sozial(mindest)standards zertifiziert.
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2014/01/03
2013/12/27
EU-Siegel und europäische Kampagnen
Das Bio-Siegel der EU ist zumindest gemessen an der
Teilnahme an der Neugestaltung 2009 und der Abstimmung über das Gewinner-Design
ein ganz guter Erfolg. Immerhin wurden mit 130.000 Stimmen deutlich mehr
Stimmen abgegeben als etwa im Rahmen der Konsultationen zur Verringerung des
Mülls durch Plastiktüten (15.500).
![]() |
| Genese des EU-Bio-Siegels: http://ec.europa.eu/agriculture/organic/eu-policy/logo_de |
Auch im Handel läuft es einem recht häufig über den Weg und
ist nicht nur auf Produkten von erfolgreichen hessischen Naturkaufmännern zu
finden, sondern auch auf französischem Biowein und vielem mehr. Andere Bereiche
sind da weniger mit europäischen Kampagnen gesegnet. Der Verein Fairtrade
Labelling Organizations, dessen grün-blau-schwarzes Winke-Siegel man zum
Beispiel aus Eine-Welt-Läden kennt, führt als nationale Fairtrade-Organisationen
immerhin Folgendes auf:
- Belgien: Max Havelaar Belgium
- Dänemark: Fairtrade Mærket Danmark
- Estland: Fairtrade Estonia
- Finnland: Fairtrade Finland
- Frankreich: Max Havelaar France
- Deutschland: Fairtrade Deutschland (dahinter steht TransFair – Verein zur Förderung des Fairen Handels mit der »Dritten Welt« e.V.)
- Irland: Fairtrade Mark Ireland
- Italien: Fairtrade TransFair Italy
- Lettland: Fairtrade Latvia
- Litauen: Fairtrade Lithuania
- Luxemburg: Fairtrade Lëtzebuerg
- Niederlande: Stichting Max Havelaar Netherland
- Norwegen: Fairtrade Max Havelaar Norway
- Österreich: Fairtrade Austria
- Portugal & Spanien: Fairtrade Ibérica
- Schweden: Fairtrade Sweden
- Schweiz: Fairtrade Max Havelaar Switzerland
- Tschechische Republik: Fairtrade Czech Republic (als Marketing-Organisation gelistet)
- Vereinigtes Königreich: The Fairtrade Foundation
Nichtsdestoweniger zeigt sich hier in meinen Augen eine
Akzentuierung des eigenen, europäischen Wohlergehens (gesunde Bioprodukte
müssen mit europäischer Gesetzgebung sichergestellt werden) gegenüber dem
Wohlergehen der anderen, außereuropäischen Menschen, die Produkte
herstellen/anbauen (faire Handelsbeziehungen und Nachhaltigkeit können von
privaten Organisationen sichergestellt werden). Im nächsten Beitrag Anfang 2014
dazu mehr.
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